
It all depends on how we look at things,
and not on how things are in themselves.
(Die Welt ist nicht, wie sie ist –
sie ist, wie wir sie betrachten.)
— Carl Jung
Wenn es eine einzige Lebensweisheit unter den vielen gäbe, die du kennst –
welche wäre das?
Im Moment ist meine dieses Zitat von Carl Jung.
Warum?
Weil in einem einzigen Satz ein ganzes metaphysisches Weltbild aufscheint:
I
Wir selbst sind es, die unsere Welt kreieren.
Wir sind die mächtigen Schöpfer unserer Realität.
II
Wir haben gelernt, die Dinge auf eine bestimmte Weise zu sehen.
Geprägt durch:
Erziehung
Erfahrung
Kultur
Emotionen
Schutzmechanismen
Unser Blick ist trainiert.
Geformt.
Gewöhnt.
Eingefahren in Spurrinnen.
Und wir halten ihn oft für die Wahrheit.
Doch was, wenn das nur eine Lesart ist?
Was, wenn es auch ganz anders sein kann?
III
Es geht nicht darum, positiv zu denken.
Nicht um Schönreden.
Nicht um Durchhalten mit zusammengebissenen Zähnen.
Sondern um Wahrnehmung.
Um den Unterschied zwischen dem, was wir erleben,
und der Geschichte, die wir uns darüber erzählen.
Das verändert alles –
ohne etwas zu verleugnen.
IV
Ein veränderter Blick ist keine Kleinigkeit.
Er ist eine dimensionelle Verschiebung des Weltbildes.
Plötzlich tauchen Aspekte auf,
die vorher unsichtbar waren:
neue Handlungsoptionen
andere Deutungen derselben Situation
echte Entscheidungsfreiheit
Und damit berührt dieser neue Blick etwas sehr Intimes:
🜂 deine Identität
🜂 deine Vorstellung davon, wer du bist
🜂 was möglich ist
🜂 welche Rolle du im eigenen Leben spielst
Das ist ein Heilungsprozess.
Was, wenn Transformation nichts anderes ist
als ein veränderter Blick?
VOM OPFER ZUR MITSCHÖPFERIN
Beispiel I · Der Alltag als Lehrmeister
Opferblick
„Immer werde ich übersehen.“
Das fühlt sich an,
als würden andere über mich entscheiden
und ich müsste damit leben.
Co-Creations-Blick
„Ich wirke mit –
durch das, wie ich mich gebe
und was ich aussende.“
Ich habe Angst anzuecken.
Ich warte ab.
Ich halte mich zurück.
Ich spreche erst, wenn ich gefragt werde.
Der Wechsel
Nicht mehr:
Die anderen sehen mich nicht.
Sondern:
Ich bin es, die entscheidet,
wann und wie ich sichtbar werde.
Und genau hier kippt das Weltbild.
Denn Mitschöpfer zu sein heißt nicht,
alles im Griff zu haben.
Es heißt, Beteiligung und Wahlmöglichkeiten anzuerkennen.
Kein Zeigefinger –
weder auf mich noch auf andere –
sondern Verantwortung mit Handlungsspielraum.
Ab diesem Punkt bin ich nicht mehr ausgeliefert.
Ich bin beteiligt.
Und damit frei, neu zu wählen.
Beispiel II · Der dimensionelle Mut
Diese Art von Perspektivenwandel geht noch weiter.
Sie erfordert Mut.
Mut, nicht nur anders zu handeln,
sondern durch und durch anders zu denken als gelernt.
Das bedeutet:
offen zu sein für scheinbar Unlogisches
Symbolik Raum zu geben
der Neukreation mehr Gewicht zu verleihen
als der gewohnten Erklärung
Ich habe früher schon einmal von einem krebskranken Mann erzählt,
dem ein schamanisch Praktizierender riet,
sein äußeres Erscheinungsbild radikal zu verändern,
damit der Krebs ihn nicht mehr erkennt.*
Völlig absurd für den „gesunden Menschenverstand“.
Ein Stachel im Weltbild sozusagen.
Er tat es trotzdem.
Als ich ihn traf, lag dieses Ereignis schon lange zurück.
Wie erklärst du dir diesen Effekt?
Welchen Perspektivenwechsel wählst du für diese Woche?
* Hinweis: Dieses Beispiel ersetzt keine medizinische Abklärung oder Behandlung.
Es ist keine Empfehlung, sondern eine Illustration eines radikalen Perspektivenwechsels.
