
Wahrnehmung als Meditation.
Ich habe eine Form, Beobachtung in kurze Worte zu fassen für mich entdeckt. Die Kunst des Haiku. Haiku ist eine japanische Gedichtform und bedeutet so viel wie "verspielter Vers" oder "kurzes, leichtes Gedicht". (siehe oben). Freilich, lässt sich das nicht 1 zu 1 auf die deutsche Sprache übertragen, aber das ist völlig unwichtig.
Worum es wirklich geht:
Dem Eindruck eines Augenblicks in drei knappen Zeilen Ausdruck zu verleihen. Du richtest deinen Blick auf eine Beobachtung.
Du spürst nach, was es in dir bewegt.
Du fasst diesen Moment in drei knappe Sätze (bzw. 17 Silben).
Warum mich das fasziniert?
Du nimmst wahr im Hier und Jetzt.
Du spürst, was gerade in dir geschieht.
Du destillierst die Essenz eines Eindrucks.
Du spielst mit Worten, um diese Essenz zum Klingen zu bringen.
Das tut übrigens auch deinem Gehirn gut:Je lebendiger und vielfältiger
dein Wortschatz, desto mehr blüht dein Denken auf. Du würdigst den alltäglichen Augenblick - Es ist wie eine Meditation "
auf dem Weg zum Einkaufen".
Haikus schärfen die Sinne.
Wer Haikus schreibt, sieht anders. Man hört das Rascheln, spürt den Schatten, riecht den Regen. Und du gehst über das reine Beobachten hinaus: Du lässt die Welt durch dich hindurchfließen.
Haiku bringt dich tiefer – es zeigt dir, was deine Beobachtungen in dir bewirken.
So sind Haikus für mich keine Dichtung im klassischen Sinn, sondern energetische Rituale – Übungen im Sehen, Staunen, Verweilen. Und - humorvolle Wendungen sind dabei kein Fehler.
Sie führen dich immer wieder dorthin zurück, wo du deine Kraft findest:
in die stille, schöpferische Gegenwart.
Und noch mehr:
Für mich ist das Kreieren nach dem Format von Haiku eine Form der Selbst-Initiation – eine Einweihung in das Jetzt - in die Kunst des reinen Daseins. Das ist mehr als eine Idee, es ist lebendige Erfahrung durch Achtsamkeit und Sprache.
Denn Haikus zu lesen ist schön –
Haikus zu formen ist erleuchtend.
Seminare dazu immer mal wieder. Gerne anfragen.
